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Ernährung

Gehirn und Fettleibigkeit

21 August 2017

Da Wissenschaftler sich bemühen, Antworten auf die moderne Epidemie von gesundheitlichen Problemen zu finden, die mit Fettleibigkeit im Zusammenhang stehen, entdecken sie ein komplexes System innerhalb des Gehirns, das eine große Rolle bei der Verstärkung der niedrigeren Lebensqualität und des drastischen Anstiegs der Gesundheitskosten spielt, die eine Folge dieser Epidemie sind.

Die medizinische Zeitschrift Obesity widmete den jüngsten Entdeckungen in Bezug auf die Rolle des Gehirns bei der Förderung von Fettleibigkeit eine gesamte Ausgabe. Ich möchte mich auf die wichtigsten Entdeckungen konzentrieren, von denen ich denke, dass sie heute die größte Auswirkung haben.

Gehirn und Appetit

Mechanismen im Gehirn unterliegen sowohl Zuständen von Appetitlosigkeit (Anorexie) als auch übermäßigem Appetit. Scheinbar widersprüchlich teilen diese beiden verschiedenen Zustände viele gemeinsame Schlüsseleigenschaften. Beide reflektieren Veränderungen in zentralen Kontrollmechanismen, die die gestörte Appetitkontrolle aufrechterhalten und auch zu den metabolischen Komplikationen einer starken Gewichtsabnahme bei Anorexie und Fettleibigkeit und Insulinresistenz führen.

 Das Gehirn ist der Meisterlenker, der Appetitsveränderungen koordiniert, die erforderlich sind, um unseren Ernährungsstatus aufrechtzuerhalten. Das macht viel Sinn, denn das Gehirn ist das metabolisch aktivste Organ im Körper, das etwa 40 % unserer geforderten Ernährung für eine ordnungsgemäße Funktion ausmacht. Es wird kämpfen, um zu überleben.

 Gehirnzellen im gesamten Gehirn, in einigen bestimmten Gehirnbereichen jedoch hochkozentriert, sind in der Lage, den Ernährungsstatus zu spüren und diese Informationen an andere Bereiche des Gehirns zu vermitteln, um sowohl den Stoffwechsel als auch den Appetit zu beeinflussen. Was Wissenschaftler entdecken ist, wie das Gehirn Informationen über kurzfristige Veränderungen der Nährstoffverfügbarkeit im Rahmen des langfristigen Energiestatus integriert. So haben sie beispielsweise festgestellt, dass das gleiche Signal in Abhängigkeit des Ernährungsstatus und der Insulinempfindlichkeit verschiedene Reaktionen im Gehirn verursachen kann. Wenn das Essen reichhaltig ist und richtig verarbeitet wird, kann das Gehirn auf dieses Signal mit Gefühlen von Sättigung reagieren. Wenn andererseits eine Person hungert oder bei Insulinresistenz wird das gleiche Signal von den Hirnzellen als etwas ganz anderes interpretiert und kann zu intensiven Hungergefühlen und einem langsameren Stoffwechsel führen. Sowohl bei Anorexie als auch bei Fettleibigkeit erfolgt die Reaktion auf das Signal überkreuzt.

 Das therapeutische Ziel sowohl bei Anorexie als auch bei Fettleibigkeit ist dabei zu helfen, die Interpretation von Signalen durch das Gehirn, die die Appetitkontrolle beeinflussen, zurückzusetzen, um die Wiederherstellung des richtigen Körpergewichts und Stoffwechsels zu fördern.

Gehirn, Essen und Kalorienbilanz:

Die Ausgabe von Obesity berichtete über Forschungsergebnisse, die auf einer Versammlung von siebzig Wissenschaftlern aus der ganzen Welt in der Schweiz über eine Woche lang vorgestellt wurden. Das Programm hieß "Alle Wege führen zum Gehirn: Neuronale Kontrolle der Energie-Homöostase bei Gesundheit und Krankheit". Das Ziel war es, diese Wissenschaftler zusammenzubringen, damit sie sich austauschen und ihre Einblicke darüber liefern können, wie das Gehirn Essen und die Kalorienbilanz kontrolliert. Es wurden viele wichtige Entdeckungen vorgestellt. Hier sind einige, die ich am interessantesten gefunden habe:

  • Bei Männern und Frauen bestehen Unterschiede in den Schlüsselbereichen des Gehirns, die Appetit und Stoffwechsel kontrollieren. Interessanterweise haben prämenopausale Frauen, obwohl Fettleibigkeit sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen betrifft, weniger Diabetes, hohen Blutdruck und andere Komplikationen der Fettleibigkeit als Männer. Daher zeigt Fettleibigkeit bei Männern und Frauen unterschiedliche Auswirkungen. Spezifische Rezeptoren für Östrogen im Hypothalamus des weiblichen Gehirns schützen Frauen vor metabolischen Komplikationen, die mit Fettleibigkeit im Zusammenhang stehen. Nach der Menopause gibt es bei Frauen einen enormen Anstieg von Fettleibigkeit und seinen Komplikationen. Nach der Menopause geht nach dem Absinken des Östrogenspiegels diese schützende Wirkung des Östrogen verloren. Die Überwindung des Verlustes dieses Östrogenschutzes erfordert bei postmenopausalen Frauen die Nutzung von Backup-Mechanismen, die Appetit und Stoffwechsel kontrollieren (siehe Kommentare unten).
  • Das intestinale Hormon Glukagon-like Peptide-1 (GLP-1) erscheint als das wichtigste gastrointestinale Peptid aufgrund seiner einzigartigen Effekte bei der Potenzierung der Auswirkungen von Insulin zusammen mit einer Vielzahl von anderen Effekten, die letztlich starke Gefühle der Sättigung fördern.
  • Das Endocannabinoidsystem (ECS) des Gehirns bezieht sich auf die komplexen Wechselwirkungen, die von unseren eigenen internen Verbindungen kontrolliert werden und die Wirkungen von externen Cannabinoiden wie jenen Verbindungen aus Marihuana und Hanf nachahmen. Jede Veränderung der ECS-Signalisierung fördert die Entwicklung von Fettleibigkeit, Insulinresistenz und einem Anstieg des Blutfettspiegels. Das Beheben dieser Störung ist ein zentrales Ziel gegen Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen.

Ernährungshilfe:

Meine Erfahrung mit vielen Wissenschaftlern ist, dass sie phänomenal darin sind, Punkte zu beschreiben, aber oft nicht so gut darin sind, diese zu verbinden. Hier sind meine Kernpunkte aus der oben hervorgehobenen Forschung, welche ich mit einigen praktischen Empfehlungen verbinde. 

Postmenopausale Frauen brauchen Unterstützung, um dem Absinken von Östrogen entgegenzuwirken. Zum Beispiel müssen sie das Darmmikrobiom verbessern, die Insulinsensitivität verbessern, mehr rohes Gemüse essen und konjugierte Linolsäure (speziell Tonalin) verwenden. Eine Studie zeigte, dass Frauen, aber nicht Männer, denen das Bakterium Lactobacillus rhamnosus verabreicht wurde, nach 12 Wochen doppelt so viel an Gewicht verloren als die Placebo-Gruppe. Dieses Ergebnis war äußert merkwürdig, zeigt aber, dass Frauen auf Veränderungen in der Darmflora und dessen Wirkung auf Insulinsensitivität und Appetit empfindlicher reagieren könnten. Die Empfehlungen zur Verbesserung der Insulinsensitivität und dem Essen von mehr rohem Gemüse (vor allem grünen) basiert auch auf neueren Studien, die eine erhöhte Reaktion auf diese Aktionen von Frauen zeigen. Schließlich hat konjugierte Linolsäure in Form von Tonalin die positivsten Ergebnisse bei postmenopausalen Frauen gezeigt (typische Dosierung dreimal täglich 1.000 mg). Andere Formen von CLA haben einfach keine konsistenten Ergebnisse gezeigt. Die Vorteile von Tonalin können einzigartige Einflüsse bei der Regulierung mehrerer Aktionsorte widerspiegeln, einschließlich der Auswirkungen auf das Endocannabinoidsystem bei Frauen (siehe unten). 

Bezüglich GLP-1 habe ich zuvor die enorme Fähigkeit der diätetischen Faser-Matrix, bekannt als PGX, zur Erhöhung der GLP-1-Bildung und -freisetzung hervorgehoben. PGX ist der viskoseste und löslichste Ballaststoff, der jemals entdeckt wurde. Es wurde nachgewiesen, dass PGX eine signifikante Erhöhung des GLP-1 hervorruft. Dieses Hormon wird durch spezialisierte Zellen, die als L-Zellen im Dünndarm und Dickdarm als Reaktion auf die Nahrungsaufnahme bekannt sind, sezerniert. PGX führt nicht nur zu Impulsen der GLP-1 Freisetzung in den Blutkreislauf, während es den gesamten Verdauungstrakt passiert, es wurde auch nachgewiesen, dass es die Anzahl der L-Zellen im Darmtrakt erhöht. Dieser Mechanismus erklärt die anhaltende Wirkung von PGX auf Sättigungsgefühle. Andere Lebensmittel, die die GLP -1-Freisetzung erhöhen, beinhalten Molkenprotein, eine ballaststoffreiche Ernährung und grünes Blattgemüse. 

Denken Sie schließlich in Bezug auf das Endocannabinoidsystem daran, dass es ein lipidbasiertes Gehirnsystem ist. Das bedeutet, dass es weitgehend auf den Einflüssen von Fetten beruht. Diätetische Fette sind absolut entscheidend für das richtige Funktionieren dieses Systems. Insbesondere erfordert es monoungesättigten Fette aus Nüssen, Samen, Olivenöl und Avocados, um richtig zu funktionieren. Es scheint auch wesentlich abhängig von langkettigen Omega-3-Fettsäuren zu sein, die bei Kaltwasserfischen wie Lachs sowie in Fischölnahrungsergänzungsmitteln zu finden sind (nehmen Sie 1.000 bis 3.000 mg EPA + DHA täglich). Konjugierte Linolsäure kann auch ein Faktor sein, vor allem bei postmenopausalen Frauen.

Quelle:

Westerterp-Plantenga M (ed.). All Roads Lead to the Brain. Obesity 2016:40(2).

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