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Welcher Zusammenhang besteht zwischen Fischöl, Omega-3-Fettsäuren und der Immunität?

Von Dr. Michael Murray, ND (Arzt für Naturheilkunde)

Aktualisiert am 12. Dezember 2020                 Veröffentlicht im April 2017

Dieser Artikel beinhaltet:


Sie haben sicher schon von den gesundheitlichen Vorzügen von Fischöl für die Herzgesundheit gehört – das ist allerdings nur ein winziger Teil dessen, was die darin enthaltenen gesunden Fette leisten können. Omega-3-Fettsäuren sind für die Funktion des Immunsystems von entscheidender Bedeutung. In diesem Artikel untersuchen wir die Beziehung zwischen Omega-3-Fettsäuren und der Immunität aus dem Blickwinkel der Kindes- und Zellentwicklung.

‌‌‌‌Omega-3-Fettsäuren, Schwangerschaft und Kindesentwicklung 

Untersuchungen rund um die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft und im frühen Kindesalter haben sich insbesondere auf die Rolle von Docosahexaensäure (DHA) bei der Gehirnentwicklung konzentriert. Jedoch muss dazu erwähnt werden, dass diese Fettsäuren auch wesentlich zur gesunden Funktion des Immunsystems beitragen. 

Diese entscheidende Rolle wurde in einer Studie aus dem Jahr 2011 nachgewiesen. Babys von Frauen, die während der Schwangerschaft 400 mg DHA zu sich nahmen, litten im frühen Kindesalter seltener unter Erkältungen. Bei Babys, deren Mütter DHA eingenommen hatten, war die Häufigkeit des Auftretens von Erklältungssymptomen im Alter von einem Monat um 24 % geringer. In der DHA-Gruppe waren die Säuglinge nach 3 Monaten um 14 % seltener krank und nach 6 Monaten wiesen sie eine kürzere Dauer von Fieber, Nasensekretionen, Atembeschwerden, Hautausschlägen und „anderen Krankheiten“ auf. Die Zeitdauer, in der sie unter Atembeschwerden litten, wurde um 54 % reduziert.1 

Diese Ergebnisse sind nicht überraschend. Sie stellen nur eine weitere Ergänzung zur wachsenden Zahl von Beweisen dar, die die entscheidende Rolle der langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA für die menschliche Gesundheit und die ordnungsgemäße Entwicklung von Kindern untermauern.

Diese Studie aus dem Jahr 2011 war deshalb wichtig, weil sie das Potenzial von Omega-3-Fettsäuren bezüglich der Entwicklung des Immunsystems der Atemwege aufzeigte. Neben einem erhöhten Risiko für Infektionen der oberen Atemwege kann eine veränderte Immunfunktion in den Atemwegen auch zu Asthma führen. In mehreren Studien wurde der Zusammenhang zwischen dem Omega-3-Fettsäurenspiegel während der Schwangerschaft und dem Asthmarisiko bei Kindern untersucht. 

In einer Studie aus dem Jahr 2016 untersuchten Forscher in Dänemark die Auswirkungen einer Supplementierung mit Fischöl auf schwangere Frauen hinsichtlich des Risikos von anhaltendem Keuchen und Asthma bei ihren Kindern. Insgesamt 736 schwangere Frauen in ihrem dritten Schwangerschaftstrimester erhielten täglich entweder 2,4 g Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl (55 % EPA und 37 % DHA) oder ein Placebo (Olivenöl). Insgesamt 695 Kinder dieser Frauen wurden fünf Jahre lang beobachtet. Das Risiko für anhaltendes Keuchen oder Asthma war bei den Kindern in der Fischölgruppe nach fünf Jahren um 31 % geringer als in der Gruppe mit dem Olivenöl-Placebo. Die Supplementierung mit Fischöl führte außerdem zu einem um 25 % verringerten Risiko, an Atemwegsinfektionen zu erkranken.

Eine Folgeanalyse dieser Kinder im Jahr 2020 ergab einige interessante Ergebnisse. Die Forscher gingen davon aus, Unterschiede in den Mikrobiomen der Säuglinge und ihrer Mütter, die eine Supplementierung mit Fischöl erhielten, zu finden. Als Mikrobiom wird der Bestand an mikrobieller DNA aus diesen Proben bezeichnet, der das Immunsystem bekanntermaßen stark beeinflusst. Zwar konnten die Forscher beim Vergleich der beiden Gruppen keine Unterschiede im Darmmikrobiom feststellen, jedoch beobachteten sie Veränderungen in der allgemeinen Diversität des Mikrobioms der Atemwege, die möglicherweise eine Rolle beim Schutz des Immunsystems vor Asthma und Infektionen spielt.3 

‌‌‌‌Omega-3-Fettsäuren und Zellmembranen

Die signifikanteste Art, auf die Omega-3-Fettsäuren die Immunfunktion verbessern, erfolgt über ihre Einwirkung auf Zellmembranen sowie auf die weißen Blutkörperchen. 

Alle Zellen unseres Körpers müssen sich in einem Zustand der Homöostase befinden, d. h. sie benötigen eine konstante innere Umgebung. Dabei ist das Vorhandensein einer gesunden Zellmembran – das ist die Wand zwischen dem Inneren der Zelle und der Zellumgebung – von entscheidender Bedeutung. Ohne diese Membran verlieren die Zellen ihre Fähigkeit zur Aufnahme von Wasser und lebenswichtigen Nährstoffen sowie zur Kommunikation.

Zellmembranen bestehen hauptsächlich aus Fettsäuren, die aus der Nahrung stammen. Infolgedessen kann die Zusammensetzung der Zellmembranen sowie die daraus resultierende Struktur, Funktion und Integrität durch eine Ernährungsumstellung beeinflusst werden. Eine Ernährung, die hauptsächlich aus gesättigten Fettsäuren, Cholesterin und Transfettsäuren besteht, führt zur Produktion von Zellmembranen, die von Natur aus viel weniger flüssig sind als die Membranen der Zellen von Menschen, die optimale Mengen an den einfach ungesättigten Fettsäuren EPA und DHA aus Fischölen zu sich nehmen.

‌‌‌‌Omega-3-Fettsäuren und weiße Blutkörperchen

Zusätzlich zu ihrer bedeutenden Rolle für die Gesundheit der Zellmembranen zeigten Omega-3-Fettsäuren auch Auswirkungen auf die Immunfunktion, z. B.:

  • Steuerung der Genexpression weißer Blutkörperchen, die wiederum die ordnungsgemäße Funktion des Immunsystems reguliert
  • Verringerung der Produktion entzündlicher Verbindungen, die das Immunsystem schädigen können
  • Optimierung der Art der Kommunikation zwischen Immunzellen, was zu einer Verbesserung Funktion des Immunsystems führt

‌‌‌‌Produktion von Omega-3-Fettsäuren und Prostaglandin

Der Körper wandelt EPA und DHA aus Omega-3-Fettsäuren auch in Verbindungen um, die als Prostaglandine bekannt sind und als wichtige Vermittler bei der Wahrnehmung vieler Körperfunktionen, einschließlich der Regulierung von Entzündungen, fungieren.4 Diese Prostaglandine tragen überdies zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks sowie zur Steuerung der Herz-, Verdauungs- und Nierenfunktion bei.

Aufgrund dieser Fähigkeiten der Prostaglandine und den mit ihnen verwandten Verbindungen, können Omega-3-Fettsäuren viele physiologische Prozesse steuern und sie dazu veranlassen, die Gesundheit in jedem Gewebe des Körpers zu fördern. 

Was die Immunfunktion anbetrifft, so sind Omega-3-Fettsäuren sehr wichtig, um das Immunsystem davor zu bewahren, überaktiv zu werden, wie dies bei einem sogenannten „Zytokinsturm“ der Fall ist. EPA und DHA zählen zu den körpereigenen Werkzeugen, die in der Lage sind, übermäßige Entzündungen und Gewebeschäden schnell zu beheben. An Entzündungsherden werden EPA und DHA enzymatisch in spezialisierte proauflösnede Mediatoren (SPM) umgewandelt, die als Resolvine und Protectine bezeichnet werden.5 

Diese Moleküle lösen Entzündungen auf und schützen die Zellen vor Schäden. Nahrungsergänzungsmittel, die die  Antioxidantien EPA und DHA enthielten, wurden in mehreren Humanstudien zur Verbesserung der Lungenfunktion bei Krankenhauspatienten, die unter schweren Atemwegserkrankungen litten, eingesetzt. Eine systematische Übersichtsarbeit von Cochrane aus dem Jahr 2019, in der alle diese Studien untersucht wurden, ergab, dass dieser Ernährungsansatz zu einer signifikanten klinischen Verbesserung der Lungenfunktion sowie der Sauerstoffversorgung des Blutes geführt hat.6 

Diese Ergebnisse spiegeln die wichtige Rolle von Omega-3-Fettsäuren beim Schutz vor Entzündungen und Lungenverletzungen durch ihre Umwandlung in Resolvine wider.

‌‌‌‌Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl

Einer der größten Fortschritte in der Ernährungsmedizin war die Entwicklung von Fischölpräparaten, die hochkonzentrierte Formen von Omega-3-Fettsäuren enthalten und gleichzeitig frei von Lipidperoxiden, Schwermetallen und Umweltschadstoffen sind. Diese Nahrungsergänzungsmittel in pharmazeutischer Qualität revolutionieren die Ernährungsmedizin.

Zur Förderung der allgemeinen Gesundheit und während der Schwangerschaft beträgt die empfohlene Tagesdosis für EPA und DHA 1.000 mg. Lesen Sie die Informationen auf dem Etikett stets sorgfältig durch: Die Präparate sollten 1.000 mg EPA und DHA erhalten, nicht 1.000 mg Fischöl. Wenn der Körper unter Entzündungen leidet oder die Blutfettwerte erhöht sind, beträgt die empfohlene Tagesdosis normalerweise 3.000 mg EPA und DHA.

Informieren Sie sich eingehender über Omega-3-Fettsäuren.

Quellenangaben:

  1. Imhoff-Kunsch B, Stein AD, Martorell R, et al. Prenatal docosahexaenoic acid supplementation and infant morbidity: randomized controlled trial. Pediatrics. 2011;128(3):e505-e512. 
  2. Bisgaard H, Stokholm J, Chawes BL, et al. Fish Oil-Derived Fatty Acids in Pregnancy and Wheeze and Asthma in Offspring. N Engl J Med. 2016 Dec 29;375(26):2530-9. 
  3. Hjelmsø MH, Shah SA, Thorsen J, et al. Prenatal dietary supplements influence the infant airway microbiota in a randomized factorial clinical trial. Nat Commun. 2020 Jan 22;11(1):426.
  4. Innes JK, Calder PC. Omega-6 fatty acids and inflammation. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids. 2018 May;132:41-48. 
  5. Chiang N, Serhan CN. Specialized pro-resolving mediator network: an update on production and actions. Essays Biochem. 2020 Sep 23;64(3):443-462. 
  6. Dushianthan A, Cusack R, Burgess VA, Grocott MP, Calder PC. Immunonutrition for acute respiratory distress syndrome (ARDS) in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2019;1(1):CD012041. 

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